Freitag, 15. November 2013

Technische Analyse mit Kerzenhalter

Gleitende Durchschnitte (GDs) sind in der Technischen Analyse allgegenwärtig. Die wichtigste Funktion besteht in der Preisglättung. Der Gleitende Durchschnitt ist trendfolgend, läuft dem Kurs aber nicht voraus. In der klassischen Anwendung signalisieren steigende GDs Aufwärts- und fallende GDs Abwärtstrends. Beim Rainbow wird nun eine größere Anzahl von GDs kombiniert, und es entsteht eine doppelte Signalwirkung. Zur klassischen Interpretation lässt sich das sogenannte Momentum definieren. Damit sind die Dynamik und die Trendintensität gemeint. Das Prinzip des Rainbows lehnt sich an die Farbgebung des Regenbogens an.
Die Farben repräsentieren unterschiedliche Händlergruppen und ihre Handelsausrichtung. Rot/gelb (GD 9, 12, 15, 18, 21, 24, 27 und 30) steht für die kurzfristig ausgerichtete Händlergruppe, grün (GD 35, 40, 45, 55, 60 und 65) für eine mittel- und blau (GD 70, 75, 80, 85, 90 und 100) für eine längerfristige Ausrichtung. Befinden sich alle GDs oder vielmehr Händlergruppen in einer Trendrichtung, sollten Anleger sich diesem Impuls anschließen.

Auch an den Finanzmärkten wirkt das physikalische Gesetz der Masse, welches besagt, dass eine Masse, die einmal in Bewegung ist, eher die Tendenz aufweist, die eingeschlagene Bewegung fortzusetzen als umzukehren. Durch den Rainbow im Chart wird zunächst das häufig verwirrende Marktrauschen herausgefiltert. Höchst interessant ist ein klar aufgefächerter Rainbow, bei dem sich alle Händlergruppen einig sind. Etwaige Konsolidierungsphasen werden dann auch Einzug halten — und bieten eine gute Gelegenheit, um auf den intakten Trend aufzuspringen. Zweifellos können Konsolidierungen auch einmal stärker ausgeprägt sein und gegebenenfalls zu einer Trendumkehr führen. Wahrscheinlicher ist aber immer eine Trendfortsetzung, zumal auch der Trendwechsel selbst oder trendlose Phasen durch den Rainbow veranschaulicht werden.

Doch wie kann man eine Bewegungspause nutzen, um an einer möglichen Fortentwicklung zu partizipieren? Zunächst gilt es, eine intakte Trendbewegung zu lokalisieren. Dies wird sehr einfach durch den Rainbow ermöglicht. Dann wartet man auf eine früher oder später einsetzende Korrekturbewegung und nimmt diese als Einstiegschance. Je früher die Gegenbewegung endet, desto wahrscheinlicher ist übrigens die Trendfortsetzung. Das Ende einer Schwächephase lässt sich sehr schön in Candlestick-Charts ablesen. Beispielsweise die Wiederaufnahme des Bullenmarkts durch eine sogenannte Hammerkerze, die eine lange untere Lunte (verdeutlicht die Schwäche während des Handelstags) sowie einen kleinen Kerzenkörper aufweist.

Die erreichten Tagestiefs wurden schlussendlich wieder relativiert. Im nebenstehenden DAX-Candlestick- Chart sind die Hammerkerzen vom 29. August und 4. September mit einem grünen Pfeil markiert. Die beiden kurz aufeinanderfolgenden Hämmer stellten die Relevanz der Unterstützung um 8100 Punkte klar heraus. Nach Ausbildung einer solchen Hammerkerze erfolgt der Einstieg immer zur Eröffnung der nächsten Kerze, hier also am nächsten Handelstag — und zwar mit einem Stop-Loss knapp unterhalb des jüngsten Verlaufstiefs (hier 8094,22 Punkte am 28. August). In diesem Fall wäre man entweder nach der Hammerkerze vom 29. August zu 8197,72 Zählern oder aber im Anschluss an die Kerze vom 4. September zu 8205,96 Punkten eingestiegen und hätte einen Stoppkurs bei beispielsweise 8090 Zählern (rote Linie) platziert.

Der erste Einstieg wurde zwar direkt mit einer negativen Tageskerze quittiert, doch ein neues Zwischentief blieb aus — Glück für alle Trader. Die Position blieb ohne Auslösen des Stopps unverändert intakt. Bei jeder Position sollten die Trader zumindest das Zweifache des Risikos als Gewinnziel haben. Bei einem Durchschnittseinstand um 8200 Punkte sowie einem Stoppkurs bei 8090 Zählern werden demnach 110 Punkte Verlust riskiert. Angestrebt wird damit ein Gewinn von mindestens 220 Punkten, mithin ein DAX-Stand von 8420 Zählern. Wie der abgebildete Chart beweist, wurde nur wenige Tage nach dem Einstieg dieses Niveau erreicht und nachfolgend überwunden (siehe grüner Kreis). Somit konnte der Trade mittels Rainbow erfolgreich ins Ziel gebracht werden.

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