Frohe Gesichter trotz Preiserhöhung – in der Kfz-Versicherung ist das möglich. Millionen Autofahrer, die in diesen Tagen ihre Rechnung erhalten, stellen fest, dass sie weniger zahlen müssen als im Vorjahr. Auch wenn es nur einige Euro günstiger wird: Viele Kunden lehnen sich beruhigt zurück. Wozu groß Preise vergleichen und den Versicherer wechseln, wenn die Police von allein billiger wird? Doch das ist keine gute Idee. Denn es kann trotzdem sein, dass der Versicherer die Preise erhöht hat. Was deutlich in der Rechnung hervorgehoben wird, ist nur der persönliche Beitrag. Der fällt tatsächlich häufig von Jahr zu Jahr niedriger aus, denn Kunden rutschen jedes Jahr in eine günstigere Schadenfreiheitsklasse (SF), wenn sie unfallfrei bleiben.
Doch obwohl der individuelle Beitrag sinkt, kann die Versicherung an der Preisschraube gedreht haben. Beispiel Ein Kunde mit 60 Prozent Beitragssatz soll laut Rechnung 300 Euro für das Jahr 2014 zahlen. Im Vorjahr waren esnoch 329 Euro. Wenn der Kunde jetzt glaubt, die Versicherung sei billiger geworden, irrt er sich. Der Preis hat sich erhöht. Die Rechnung ist allein deshalb billiger geworden, weil er im neuen Jahr in eine günstigere Schadenfreiheitsklasse kommt: Dann zahlt er nur 60 Prozent Beitragssatz, bisher waren es 70 Prozent. Nur: Diese verdeckte Preiserhöhung fällt in der Jahresrechnung oft nicht deutlich ins Auge. Zwar nennen viele Versicherer dort einen sogenannten Vergleichsbeitrag. Doch der wird oft nur klein gedruckt und von Kunden leicht übersehen.
Da heißt es zum Beispiel: „Ohne Beitragsänderungen würde der bisherige Beitrag – berechnet mit der neuen SF-Klasse – X Euro betragen.“ Ist der so ausgewiesene Beitrag niedriger als die Rechnung fürs neue Jahr, liegt eine Preiserhöhung vor. Der Kunde sieht am Vergleichsbeitrag, wie viel er im Vorjahr gezahlt hätte,wenn er da schon die Schadenfreiheitsklasse gehabt hätte, in die er nun kommt. Als Alternative können Kunden auch den Betrag ausrechnen, der bei 100 Prozent Beitragssatz fällig wäre: Preis mal 100 geteilt durch den individuellen Rabattsatz. Die Rechnung fürs Beispiel oben geht so: 300 Euro (persönlicher Jahresbeitrag) mal 100, geteilt durch 60 (persönlicher Beitragssatz in Prozent). Das ergibt 500 Euro. Beim alten Beitrag läuft es entsprechend: 329 (persönlicher Beitrag) mal 100 geteilt durch 70 (persönlicher Prozentsatz). Das macht 470 Euro. Die Versicherung hat also den Grundbeitrag um 30 Euro auf 500 Euro erhöht. Wäre er gleich geblieben, müsste der Kunde jetzt nur 282 Euro zahlen. So wird auch eine verdeckte Preiserhö - hung schnell offensichtlich.
Schäden durch Unwetter Ein genauer Blick in die Rechnung ist in diesem Jahr besonders wichtig. Denn viele Versicherer erhöhen die Preise. Schon letztes Jahr langten sie zu, ihre Einnahmen stiegen um 5,4 Prozent. Das brachte 22 Milliarden Euro mehr ein. Dennoch gab es rote Zah - len: 600 Millionen Euro Verlust zählte der Gesamtverband der Versicherer (GDV). Im laufenden Jahr waren es vor allem Unwetter, die den Anbietern das Ergebnis verhagelten. Im Südwesten verursachte der Sturm Andreas allein für die SV Sparkassen- Versicherung 6 000 Schäden an Pkw, die 20 Millionen Euro kosteten. Nun kalkuliert die Branche im Durchschnitt mit einer Schaden- Kosten-Quote von 103 Prozent. Konkret: Im Durchschnitt mussten die Gesellschaften für jeden Euro Beitragseinnahme 1,03 Euro ausgeben.
Prozent Preiserhöhung In der Vergangenheit konnten die Versicherer die Verluste auffangen, indem sie die Beiträge der Kunden am Kapitalmarkt anlegten. Doch in der Niedrigzinsphase bringt das zu wenig. Daher rechnet der GDV mit 4 Prozent Preiserhöhung in der Haftpflicht und 4,5 Prozent in der Vollkasko. Für einzelne Kunden kann es deutlich mehr sein. Viele Versicherer bieten inzwischen mehrere Tarife mit unterschiedlichen Preisen und Leistungen. Doch egal ob Billig- oder Premiumtarif: Gestrichen wurde meist der Ra batt retter. Er zählte bisher zum Standard: Wer nach vielen unfallfreien Jahren in besonders guten SF-Klassen war, durfte einen Unfall bauen, ohne bei den Prozenten hochgestuft zu werden – quasi ein „Freischuss“. In unserem Test 2009 hatten das 100 von 151 Tarifen, jetzt sind es nur noch 16 von 150. Stattdessen gibt es oft einen „Rabattschutz“. Der aber kostet meist einen Aufpreis. Weitgehend durchgesetzt hat sich inzwischen die Werkstattbindung. Ist die vereinbart, dürfen Kunden das Auto nach einem Kaskoschaden zur Reparatur nur in eine Werkstatt bringen, die der Versicherer nennt.
Das kann bis zu 15 Prozent Beitrag sparen (siehe Grafik oben). Bei Neu- und Leasingwagen kann diese Klausel aber Probleme bringen, wenn die Garantie- oder Leasingbedingungen Werkstätten der Hersteller verbindlich vorschreiben.
Sinnvolle Leistungen Wer sparen will, sollte beim Wechsel des Versicherers auch auf die Leistungen achten. Vor allem in Altverträgen sind manche Leistungen gratis enthalten, die in vielen Billigtarifen Aufpreis kosten. Bei der Berliner Familie Burtin zum Beispiel nutzen auch die drei Kinder das Familienauto. Zwei von ihnen sind unter 23 Jahren – und für so junge Fahrer nehmen die Versicherer kräftige Preisaufschläge. Burtins Vertrag bei der Huk Coburg bietet den Vorteil, dass der Aufpreis für junge Mitfahrer in Grenzen bleibt.Die Tabellen auf den Seiten 70 bis 77 zeigen, welche Tarife eher günstig sind und welche Leistungen sie beinhalten. So kann jeder prüfen, welches Angebot für ihn infrage kommt.
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