Mittwoch, 6. November 2013

Geldanlage im Zinstief. Was schützt vor Inflation?

Kein Ende in Sicht: Erst kürzlich hat die amerikanische Notenbank Fed ihre Niedrigzinspolitik wieder bekräftigt. Auch in der Eurozone verharrt der Leitzins auf 0,5 Prozent. Wer mit Tagesgeld oder Festzinsprodukten spart, bekommt oft noch nicht einmal einen Inflationsausgleich. Die Ersparnisse verlieren langsam an Wert. Wer das nicht länger mitmachen will, muss einen Schritt in Richtung mehr Risiko wagen. Eine wirklich gute Idee, auch für Einsteiger, ist eine kleine Beimischung von Aktienfonds, am besten welche, die weltweit investieren. Wenn die Mischung passt, bleiben die Risiken überschaubar (siehe Finanztest 9/2013 „Zinsen mit Pep“, S. 22). Doch welchen Anteil an Aktienfonds verträgt ein Depot? Können auch ältere Leute noch in riskante Fonds investieren? Was muss man beim Kauf von Fonds beachten? Wie funktionieren ETF? Das sind häufige Fragen unserer Leser. Wir beantworten sie.

Meine Lebensversicherung läuft bald aus. Wie lege ich das Geld, etwa 20 000 Euro, am besten an? Die Beantwortung der Frage setzt eine ausführliche Anlageberatung voraus. Es kommt zum Beispiel darauf an, welche Geldanlagen Sie sonst noch haben, wie lange Sie Ihr Geld anlegen und welches Risiko Sie dabei ein - gehen wollen. Haben Sie noch Kredite? Wenn ja, sollten Sie zunächst einmal die abbezahlen. Wahrscheinlich wird Ihre Ver - sicherung Ihnen ein neues Angebot erstellen. Das könnte, je nachdem, wie alt Sie sind, eine Sofortrente sein. Sie ist sinnvoll, wenn die gesetzliche Rente für den Lebensunterhalt nicht ausreicht.

Wie könnte ich denn 15 000 Euro anlegen? Das kommt unter anderem darauf an, ob Sie bereit sind, ein bisschen Risiko einzugehen. Für eine längere Anlagedauer von sieben bis zehn Jahren können wir Ihnen zum Beispiel unser Pantoffel-Portfolio empfehlen. Das sind Anlagestrategien für Leute, die sich nicht ständig um ihr Geld kümmern wollen. Ein Teil des Geldes fließt in sichere Anlagen, der andere Teil in riskantere (siehe Grafik S. 30). Es sind sehr bequeme Geldanlagen, wie der Name verspricht. Einmal zusam - mengebaut, müssen Anleger ihr Portfolio nur noch ungefähr einmal pro Jahr prüfen und eventuell anpassen – falls sich die ursprüngliche Zusammensetzung erheblich verändert hat. Bestückt werden die Pantoffeln mit ETF, börsenge han delten Indexfonds. Die sind besonders pflegeleicht.

Ich habe noch nie einen ETF gekauft. Ist das auch etwas für Anfänger? Aber sicher! Das Gute an ETF, die einen breiten Markt abbilden, ist: Hat man sie sich einmal ausgesucht, muss man sich so gut wie nicht mehr kümmern, sondern kann sie einfach laufen lassen. Allerdings sind ETF vielen Anlegern noch unbekannt. Die sperrigen Namen der Fonds erleich - tern den Zugang auch nicht gerade. Bei Aktien- ETF ist das Problem nicht so groß: Dass ein iShares Dax ETF den deutschen Aktienindex abbildet, versteht fast jeder. Komplizierter wird es beim db x-trackers iBoxx Sovereigns Eurozone Ucits ETF, ein Indexfonds, der einen Rentenindex nachbildet. Dass dieser Fonds sichere Papiere wie Bundesanleihen enthält, ahnen die wenigsten.
Was halten Sie von einem Dax-ETFSparplan? Ich bin Mitte 30 und möchte fürs Alter sparen. Einen Aktien-Fondssparplan für die Altersvorsorge abzuschließen, ist eine gute Idee. Allerdings würden wir Ihnen dazu nicht unbedingt den Dax als Basiswert empfehlen. Nehmen Sie besser einen ETF-Sparplan auf einen weltweiten Index, den MSCI World zum Beispiel. Der ist breiter gestreut als der Dax. ETF-Sparpläne finden Sie kostengünstig bei verschiedenen Direktbanken wie Comdirect, Cortal Consors oder Onvista.
ETF auf den Dax gibt es wie Sand am Meer, aber für welchen soll ich mich entscheiden? Was die Wertentwicklung angeht, unterscheiden sich ETF, die denselben Index abbilden, in der Regel nicht sehr.

Allerdings unterscheiden sie sich in der Methode, wie sie den Index nachbilden, physisch oder synthetisch. Physisch heißt, die ETF kaufen die Aktien aus dem Dax. Das machen zum Beispiel der iShares Dax ETF oder der Deka Dax Ucits ETF. Andere bilden den Index synthetisch nach. Sie kaufen teilweise ganz andere Wertpapiere und tauschen die Wertentwicklung dieses Wertpapierkorbes gegen die Wertentwicklung des Dax. Das Tauschgeschäft heißt Swap. Der Comstage ETF Dax TR ist ein solcher synthetischer ETF. Der Fonds hält 25 europäische Aktien, von denen 15 allerdings aus Deutschland sind. Swap-Partnerin ist die Comstage-Mutter Commerzbank. Was die Risiken angeht, unterscheiden sich die beiden Nachbildungsmethoden nicht erkennbar. Daher ist es mehr oder weniger Geschmackssache, welchen ETF Sie kaufen.

Ich fürchte, dass durch die Niedrigzinspolitik der Notenbanken die Inflation steigen wird. Sind Sachwerte wie Aktien oder Immobilien überhaupt als Inflationsschutz geeignet? Theoretisch sollten Aktien einen gewissen Inflationsschutz bieten, da die Umsätze und Gewinne der Unternehmen mit der Infla - tion steigen sollten. Praktisch war in der Vergangenheit aber kein dauerhafter, eindeutiger Zusammenhang zwischen Aktienrenditen und Inflationsraten zu beobach - ten. Das hat unser Inflations-Check ergeben, indem wir die Entwicklung verschiedener Anlagen seit 1970 analysiert haben (Finanz - test 7/2010, S. 24). Aktien boten durchschnittlich die höchsten realen Renditen, ihr Wert schwankte aber auch stark. Auch der Wert von Immobilien steigt theoretisch mit der Inflation, wird aber tatsächlich oft von anderen Faktoren überlagert, zum Beispiel der Standortnachfrage. Fakt ist: Die Zinsen für sichere Geldanlagen liegen derzeit nicht oder nur wenig über der Inflationsrate (siehe Grafik oben). Wenn Sie eine Rendite oberhalb der Infla - tionsrate anstreben, kommen Sie nicht umhin, außer Zinsanlagen auch riskantere Anlagen mit höheren Renditechancen wie zum Beispiel Aktienfonds beizumischen.

Was kann ich tun, wenn ich zwar mehr Rendite haben will, aber keine höheren Risiken eingehen möchte? Mit sicheren Geldanlagen bekommen Sie zurzeit keine höhere Rendite. Wenn Sie jedoch partout keine zwischenzeitlichen Wertschwankungen riskieren wollen oder können, dann sollten Sie tatsächlich keine Aktienfonds kaufen, sondern bei sicheren Produkten wie Tagesgeld oder Festzinssparen bleiben. Eine Möglichkeit, zumin - dest ein wenig mehr herauszuholen, bieten unsere Top-Zinsangebote.
In Ihrem Bericht „Zinsen mit Pep“ schreiben Sie, dass man nach fünf Jahren nicht im Minus landet. Stimmt das? Die Aktienmärkte waren in der Vergangenheit länger im Minus. Wir haben das Depot als Ganzes betrachtet. Mit dem Aktienfonds alleine können Sie nach fünf Jahren durchaus im Minus liegen, in unseren Simulationsrechnungen waren das im schlimmsten Fall bis zu 20 Prozent. Wenn aller dings der Aktienfonds am Gesamtdepot nur einen Anteil von 10 Prozent hat, dann können die Erträge aus den Zinsanlagen die Verluste der Aktien fonds durchaus wieder ausgleichen.

Sie empfehlen zwei ETF auf den MSCI World, einen von iShares und einen von db x-trackers, die beide in US-Dollar notiert sind. Setze ich mich damit einem Währungsrisiko aus? Die Währung des Fonds kann Ihnen egal sein. Es kommt darauf an, welche Papiere der Fonds kauft. Enthält er zum Beispiel nur deutsche Aktien, besteht kein Währungsrisiko, weil der Fonds dafür Euro einsetzen muss. Enthält der Fonds jedoch amerika - nische Aktien, dann muss er die mit USDollar kaufen. Ein ETF auf den MSCI World besteht zur Hälfte aus amerikanischen Aktien. Allerdings überwiegt das Kursrisiko der Aktien das Währungsrisiko meist.
Bekomme ich bei jedem ETF auch die Dividenden? Ja. Den Deka Dax Ucits ETF zum Beispiel gibt es in zwei Varianten. Bei der thesaurierenden Variante bleiben die Dividenden im Fondsvermögen. Bei der ausschüttenden Variante werden sie Ihnen ausgezahlt. Normalerweise empfiehlt Finanztest die thesaurierenden Fonds, weil Sie sich dann nicht um die Wiederanlage der Erträge kümmern müssen. Bei ETF, die im Ausland aufgelegt sind, führt die thesaurierende Variante aber zu mehr Aufwand bei der Steuererklärung. Wenn Sie die Wahl haben, nehmen Sie in diesem Fall daher besser die ausschüttende Variante.

Ich habe mich für den Kauf eines ETF entschieden. Jetzt brauche ich ein Wertpapierdepot. Wo bekomme ich das denn am besten? Ein Depot können Sie bei nahezu jeder Bank eröffnen. Am günstigsten sind Angebote über das Internet. Sie können entweder direkt zu einer Direktbank gehen oder das Onlineangebot Ihrer Filialbank nutzen. Sollten Sie mit Onlinebanking und auch mit Wertpapier orders noch keinerlei Erfahrung haben, dann wenden Sie sich am besten an den Berater in Ihrer Filiale.
Gold ist in Ihren Vorschlägen gar nicht dabei. Warum? Gold ist riskant. Die Preise schwanken stärker als die der Weltaktienmärkte. Wir empfehlen Gold daher nur zur Beimischung in ein gutgestreutes Depot. Wenn Sie aber vorwiegend Zinsprodukte behalten und nur rund 10 Prozent riskantere Anlagen kaufen wollen, bleiben Sie bei Aktien fonds Welt. Je mehr Risiko Sie wollen, desto eher passt auch ein wenig Gold zum Gesamtdepot. Als Alternative empfehlen wir Ihnen den Rohstoff-Pantoffel. Dieses Portfolio enthält außer Aktien Welt und Renten Euro einen kleinen Teil Rohstofffonds. Um das Rohstoffportfolio sinnvoll umzusetzen, sollten Sie nur zur Hälfte in sichere Anlagen in - vestieren. Der Rohstofffonds hätte einen Anteil von 10 Prozent.










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