Montag, 28. Oktober 2013

Wie und wo man jetzt investieren

Die Erholung im Euroraum steht derzeit noch auf wackligen Beinen. Zwar haben sich die Anzeichen für eine Konjunkturbelebung in den vergangenen Monaten weiter verdichtet. So ist der Gesamt-Einkaufsmanagerindex im September angestiegen und bewegt sich im Wachstumsbereich. Auch Zahlen aus einzelnen EU-Staaten geben Grund zur Hoffnung.

Doch im zweiten Quartal ist das Wachstum vieler Unternehmen in der Eurozone eher enttäuschend verlaufen und die Gewinne sind — verglichen mit dem entsprechenden Vorjahresquartal — sogar leicht gesunken. Die Ertragssituation vieler Unternehmen wird in naher Zukunft wahrscheinlich noch unter Druck bleiben — auch wenn sich angesichts der moderaten Wachstumsverbesserung zunächst Umsatz- und in der Folge auch Gewinnwachstum einstellen sollten. Es gibt aber auch Unternehmen, die in einem nur moderaten
Wachstumsumfeld herausragen. Die historische Erfahrung zeigt, dass einzelne Unternehmen durchaus in der Lage sind, ihre Gewinne entgegen einem allgemein stagnierenden oder sogar sinkenden Umfeld zu steigern.
Nennen wir sie Leuchttürme im Konjunkturnebel. Die aktuelle Wirtschaftslage in der Eurozone bietet unserer Einschätzung zufolge das richtige Umfeld, um gezielt in die Aktien solcher Unternehmen zu investieren. Denn gerade in einer von verhaltenem Wachstum geprägten Phase konzentrieren sich die Investoren erfahrungsgemäß besonders stark auf Aktien mit positivem Gewinnmomentum. Die Anleger suchen nach Unternehmen, deren Gewinne sich besser entwickeln als die der unmittelbaren Wettbewerber.

Folge: Die steigende Nachfrage treibt die Kurse solcher Aktien. Da die Anzahl solcher Titel in der Regel recht begrenzt ist, fällt der Kursanstieg meist deutlich aus. Schwache Konjunktur und überdurchschnittlich hohe Gewinne — wie passt das zusammen? Das hängt im Einzelfall ganz entscheidend vom Geschäftsmodell eines Unternehmens ab. Gute Voraussetzungen bringen zum Beispiel Unternehmen aus defensiven Branchen mit nicht zyklischen Produkten mit. Nahrungsmittelhersteller etwa, deren Produkte für den täglichen Lebensbedarf gebraucht werden, bieten die Aussicht auf stabiles Umsatz- und Gewinnwachstum, weil sie von einer Konjunkturschwäche erfahrungsgemäß kaum oder weniger stark betroffen sind. Damit allein ist aber noch keine Garantie für Gewinne deutlich über dem Durchschnitt des Sektors gegeben. Die Qualität des Managements spielt dafür auch eine wichtige Rolle.

Unternehmen, die seit Jahren außerordentlich gut geführt werden, sind erfahrungsgemäß am ehesten in der Lage, konjunkturelle Schwächen in einzelnen Märkten abzufedern. Dementsprechend ist auch die globale Diversifikation eines Unternehmens von erheblicher Bedeutung. Konkret: Welchen Anteil haben die einzelnen Regionen der Weltwirtschaft am Umsatz? Eine Schwäche auf dem Heimatmarkt lässt sich ausgleichen oder sogar überkompensieren, indem in anderen Wirtschaftsregionen wie etwa den boomenden Volkswirtschaften Asiens hohe Zuwächse erzielt werden. Auf europäischer Ebene sind in diesem Kontext die Branchen Gesundheit, Informationstechnologie und Konsum interessant.

Im Durchschnitt erzielen hier die Gesellschaften zwischen 40 und 55 Prozent ihres Umsatzes. Hintergrund ist, dass die Güter und Dienstleistungen dieser Sektoren leichter zu exportieren sind und es weniger regionale Besonderheiten gibt. Anleger erkennen Unternehmen mit hoher Gewinndynamik letztlich vor allem daran, dass sie von Quartal zu Quartal nachhaltig in der Lage sind, die Schätzungen der Analysten zu übertreffen. Die Tage, an denen die in die engere Auswahl gekommenen Unternehmen ihre Geschäftszahlen veröffentlichen, sollten sich Investoren daher vormerken.

Tests auf Basis historischer Daten haben gezeigt, dass ein Portfolio, das auf Basis dieses Gewinnmomentums zusammengestellt und laufend angepasst wird, eine deutliche Outperformance gegenüber dem breiten Aktienmarkt erzielen kann. Beispielsweise in der Phase von Ende 2003 bis Ende 2007 oder von Mitte 2010 bis jetzt. Der entscheidende Faktor ist, dass die Wirtschaftsentwicklung einem Trend folgt. Die Gewinnmomentum-Strategie eignet sich vor allem für Phasen, in denen das Wachstum stetig, aber schwach ist.

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