Für die Liebhaber von Gold und Silber waren die vergangenen Jahre wahrlich keine Freude, ging es mit den Preisen im Wesentlichen doch nach unten. Ähnlich ernüchternd verlief die Entwicklung bei diversen Industriemetallen wie Aluminium, Kupfer oder Nickel, die heute ebenfalls deutlich günstiger zu haben sind als noch vor zwei bis drei Jahren. Mittelfristig könnte es mit den Preisen jedoch durchaus wieder aufwärtsgehen. Es sei noch zu früh, vom Tod des Rohstoffsuperzyklus zu sprechen, meinen etwa die Ökonomen von McKinsey. Einerseits müssten die Unternehmen immer höhere Investitionen vornehmen, um die Rohstoffproduktion aufrechterhalten zu können.
Andererseits würde die Urbanisierung in den Emerging Markets für weiter steigende Nachfrage sorgen. Beim Gold scheint der Ausverkauf mit den Ankündigungen namhafter Investoren wie John Paulson und George Soros, sich von erheblichen Teilen ihrer Bestände getrennt zu haben, zudem erst einmal abgeschlossen zu sein. Unabhängig von künftigen Entwicklungen spricht aber auch der Diversifizierungsaspekt für einen gewissen Rohstoffanteil im Depot.
So sind die Preise von Edel- und Industriemetallen sowie von Öl, Gas oder auch Agrarrohstoffen in der Regel nur in geringem Maße mit anderen Anlageklassen korreliert. Die Beimischung von Commodities, wie Rohstoffe im Fachjargon genannt werden, kann deshalb das Gesamtanlagerisiko deutlich reduzieren. Eine einfache und relativ transparente Möglichkeit zur Umsetzung von Rohstoffinvestments stellt der Kauf von Exchange Traded Commodities dar.
ETCs sind börsengehandelte Wertpapiere, die an die Entwicklung eines oder mehrerer Rohstoffpreise gekoppelt sind. Dabei kann die Bindung an den jeweiligen Spotpreis, also der Preis, der heute für den Rohstoff zu zahlen ist, oder an einen Rohstoff-Future bestehen. Eine physische Lieferung der Commodities erfolgt selbstverständlich nicht, und der Anleger braucht auch keine Terminkontrakte zu erwerben. Analog zu börsengehandelten Indexfonds (ETFs) fallen bei ETCs neben den üblichen Bank- und Börsenprovisionen lediglich die Verwaltungsgebühren an, die meist zwischen 0,3 und einem Prozent pro Jahr liegen. Designated Sponsors sorgen in allen ETCs für hinreichende Liquidität; ihre fortlaufenden Quotierungen bieten ein hohes Maß an Preistransparenz.
Trotz dieser Gemeinsamkeiten mit den wesentlich bekannteren ETFs weisen ETCs gegenüber börsengehandelten Fonds einen ganz entscheidenden Unterschied auf. So handelt es sich bei den Rohstoffprodukten nicht um Sondervermögen, sondern um unbefristete Schuldverschreibungen. Im Fall einer Emittentenpleite ist das Vermögen der Anleger damit rechtlich nicht geschützt. In den meisten Fällen wird dieses Risiko aber durch hinterlegte Sicherheiten reduziert beziehungsweise gänzlich eliminiert. Dabei kann es sich um physisches Gold oder andere Edelmetallbestände handeln, die bei einem Dritten gelagert werden. Auch die treuhänderische Hinterlegung sonstiger Sicherheiten wie von Anleihen ist denkbar.
Anleger stehen nach wie vor auf Gold Im November 2006 erstmals zum Börsenhandel zugelassen, werden allein über Xetra inzwischen über 250 ETCs gehandelt. Sie decken praktisch die gesamte Palette einzelner Commodities aus den Bereichen Edelmetalle, Industriemetalle, Energie und landwirtschaftliche Produkte sowie diverse Rohstoffkörbe und -indizes ab. Umsatzspitzenreiter ist dabei regelmäßig Xetra-Gold (WKN: A0S 9GB), das im September mehr als ein Viertel aller ETCUmsätze auf Xetra auf sich vereint hat. Eine Schuldverschreibung verbrieft hier jeweils den Anspruch auf die Lieferung von einem Gramm Gold. Im Gegensatz zu anderen Exchange Traded Commodities können sich Privatanleger bei Xetra-Gold — wie übrigens auch bei Euwax Gold (WKN: EWG 0LD), das Konkurrenzprodukt der Börse Stuttgart — die verbriefte Goldmenge auch ausliefern lassen. Bei Euwax Gold erfolgt dies, von möglichen eigenen Bankspesen einmal abgesehen, sogar vollkommen kostenfrei.
Die geringste Auslieferungsmenge ist ein 100-Gramm-Kleinbarren mit einem aktuellen Wert von rund 3100 Euro. Bei Euwax Gold fallen dafür lediglich die börsenüblichen Transaktionskosten an, die dem Anleger von seiner Bank in Rechnung gestellt werden. Sehr gefragt ist regelmäßig auch der ETC Physical Gold Euro Hedged der Deutschen Bank (WKN: A1E K0G). Dabei zeigt der Zusatz Euro Hedged an, dass es sich um ein währungsgesichertes Produkt handelt, mit dem Anleger das sonst im Rohstoffhandel übliche Währungsrisiko in US-Dollar gegen eine jährliche Gebühr von derzeit 0,3 Prozent umgehen können. Recht beliebt waren zuletzt zudem ETCs auf Öl (WKN: A0K RKM) und Silber (WKN: A0N 62F). Bei den Rohstoffkörben lag im September vom Umsatz her der ETC Industrial Metals DJ UBSCI der britischen ETF Securities (WKN: A0K RKG) vorn. An zweiter Stelle folgte der ETC db Energy Booster Euro Hedged (WKN: A1E D2J), der die Preisentwicklung von europäischem und amerikanischem Rohöl, Heizöl, unverbleitem Benzin und Erdgas widerspiegelt.
Dabei ist die Spekulation mit Exchange Traded Commodities übrigens keineswegs allein auf steigende Rohstoffpreise beschränkt. Vielmehr finden sich im kontinuierlich wachsenden Angebot auch Shortprodukte, mit denen auf fallende Preise bei Edel- und Industriemetallen, aber auch bei Agrarrohstoffen oder Lebendvieh gesetzt werden kann. Selbst der Einsatz eines Hebels (Leveraged ETCs) ist möglich. So vollzieht der Coba ETC 2x Gold Daily Long (WKN: ETC 012) die tägliche Preisentwicklung von Gold gleich doppelt nach. Beim Coba ETC 4x Gold Daily Long (WKN: ETC 014) werden Gewinne und Verluste sogar vervierfacht. Lediglich auf seitwärts tendierende Preise lässt sich mit ETCs nicht setzen. Hier bleibt nur der Rückgriff auf entsprechende Discount- oder Bonuszertifikate.
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