Freitag, 30. August 2013

Dividenden-Jackpot

DMillionen Euro groß. Wer an das Geld will, braucht keinen Tippschein, sondern Aktien des Lotteriebetreibers Tipp24. Mit dem Umzug der Firmenzentrale von Hamburg nach London, der bis Ende des Jahres abgeschlossen sein soll, kann das Unternehmen künftig eine Dividende ausschütten. Börsianer spekulieren auf eine hohe Sonderausschüttung. Auf Dividenden müssen Aktionäre bei Tipp24 seit dem Jahr 2009 verzichten. Damals war in Deutschland das Kreuzchenmachen im Internet verboten worden. Das war und ist das Geschäft von Tipp24. Im Angebot sind der deutsche Lottoblock sowie die europäischen Lotterien EuroMillions und EuroJackpot.
Diese werden von Tipp24 gespiegelt: Gewinnzahlen und Gewinne sind exakt wie beim Original. Die Wetteinsätze bleiben komplett bei Tipp24. In Deutschland plötzlich illegal, verlagerten die Hamburger den Geschäftsbetrieb nach Großbritannien. Dank offizieller britischer Wettlizenz kann die englische Tochtergesellschaft MyLotto24 legal aus London operieren. An dieser ist Tipp24 mit 40 Prozent beteiligt, den Rest hält eine Schweizer Stiftung. Die Gewinne fallen damit nicht in Deutschland, sondern in Großbritannien an. Ein Schutzmechanismus, den Tipp24 als britische Gesellschaft nicht mehr brauchen würde und damit die Gewinne in der Stiftung ausschütten könnte. Zum Halbjahr 2013 beliefen sich die liquiden Mittel auf 146 Millionen Euro. Mit einer Komplettausschüttung rechnen Börsianer allerdings nicht. Die Schätzungen der Analysten reichen von zwei bis fünf Euro Sonderdividende. Das Unternehmen selbst bleibt zurückhaltend: „Wir haben derzeit noch keine Dividendenpolitik. Zu welchem Zeitpunkt eine solche beschlossen wird, ist nicht absehbar. Ob dies zeitnah mit der Sitzverlagerung nach London passiert, bleibt offen“, lautet der offizielle Kommentar. Wegen des hohen Erwartungsdrucks der Aktionäre wird in Marktkreisen trotzdem mit einer Zahlung gerechnet.

 

Wachstum auf der Insel

Der Umzug auf die Insel bringt für Tipp24 noch andere Vorteile. In Großbritannien kann Tipp24 wachsen. Eine Option, die in Deutschland unwahrscheinlich scheint. Zwar ist Onlinelotto hierzulande seit 2012 wieder erlaubt, doch werben darf Tipp24 nicht. Die Preiserhöhung des Deutschen Lottoblocks von 75 Cent auf einen Euro je Tippfeld dürfte damit vorerst der einzige Wachstumsimpuls sein. Anders sieht es bei den wettbegeisterten Briten aus. Auf der Insel will Tipp24 im Kürze ein neues Konzept umsetzen: Geo-Lotto. Statt auf trockene Zahlen wird dabei auf Orte gesetzt. Das soll Emotionen wecken. Dazu wurde Großbritannien in ein Raster mit 59 Millionen Teilen gegliedert. Für jeweils ein Pfund kann damit auf ein Raster, sprich das eigene Haus oder das Stadion des Lieblingsvereins, gesetzt werden. Pro Tag gibt es fünf Ziehungen mit einem Gewinn von je einer Million Pfund. Experten sehen großes Potenzial und Margen wie beim Lotto. Diese liegen bei 42 Prozent. Parallel visiert Tipp24 die USA an. Dort wollen sich die Neu-Londoner als Service- Dienstleister positionieren. Das bringt zwar nur Margen um die zehn Prozent, doch dafür soll es die Masse richten. Gefährlich wird es für Tipp24, wenn die eigenen Kunden zu viel Glück haben. Gegen extreme Glückssträhnen ist die Firma über einen „Katastrophenbond“ abgesichert, der Schäden bis 108 Millionen Euro abdeckt. Bis 36 Millionen muss das Unternehmen aber selbst zahlen. Gerade hat ein Lottospieler in Deutschland 6,8 Millionen Euro abgeräumt — trotzdem bestätigt Tipp24 seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr.

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